seitdem wir wieder hier sind, schlafe ich schlecht. natürlich waren auch die nächte im zelt nicht wirklich erholsam, aber das liegt dann eher am harten boden, wenn man mal wieder von der matratze gerollt ist, an zu warm, zu kalt, zu zeltig eben (daß ich zelten liebe, sei hier nur am rande erwähnt). aber hier halten mich gedanken wach, deren spirale ich nur mit allergrößter anstrengung durchbrechen kann, ängste, die mich überfallen, zu jeder tages und nachtzeit, aber nachts erkenne ich sie oft zu spät und dann packen sie mich mit ihren krallenfingern, foltern mich und lachen sich dabei ins fäustchen. ich bin unglaublich übermüdet und es nimmt einfach nicht ab. könnte schlafen, schlafen, schlafen und habe dabei ein schlechtes gewissen dem liebsten gegenüber, der ja morgens früh raus muß, ob er will oder nicht.
und trotzdem. trotzdem geht es mir gut. paradox, oder? ganz begreife ich es nicht.
gestern habe ich endlich nach wochen das bruderherz wiedergesehen. der abend so sommerlich, die luft flirrend vor elektrizität. an solchen abenden fühle ich mich immer, als würden alle geschichten, die an genau solchen abenden passiert sind, mir kleine anekdoten ins ohr flüstern, während sie mir schwitzige löcken aus dem nacken streichen. wir sitzen im sommergarten der bar, die so vertraut wirkt, durch büsche vor den neugierigen blicken der straße verborgen. trinken bunte cocktails aus unpraktischen gläsern und freuen uns so sehr an uns selbst, erzählen und schweigen und lachen und hängen den gedanken des anderen nach. danach zieht es uns noch nicht nach hause, wir kaufen bier am kiosk und treffen eine alte bekannte aus längst vergangener zeit. laufen durch die straßen, die erfüllt sind von hitze und gesprächsfetzen der menschen in den straßencafés. momentelang stimmt alles. auch jetzt, in der erinnerung daran. und das wort zuhause bedeutet wieder genau das.
in österlen, östliches südschweden, haben wir die ales stenar besucht, eine jahrhundertealte mystische kultstätte. es sind diese orte, so aufgeladen mit geschichte und geschichten, die meine vorstellungskraft versagen lassen. das denken setzt aus und ich kann nur noch fühlen, fühlen. fühlen.
von sicher nur wenigen bemerkt, führt ein schmaler, kaum erkennbarer pfad zur küste hinunter. es geht steil nach unten, permanent brüllt einem der wind entgegen, der abstieg ist nicht ungefährlich. unten aber ist es ruhig, die wellen schwappen behäbig an einen strand voller weichgeschliffender steine und felsen. die sonne geht noch nicht unter, dazu ist kurz vor midsommar noch nicht die stunde gekommen, aber es riecht nach abend und ferne und freiheit und danach, angekommen zu sein.